LAGERHAUS G








Lagerhaus G - schon mal gehört?

Von Miriam Wiels


Das Lagerhaus G ist ein Speicher von 1903, der in der Dessauer Straße auf dem Kleinen Grasbrook in Hamburg steht. Über seine künftige Nutzung wird derzeit verhandelt. Das Lagerhaus G, dass zeitgleich zur Speicherstadt erbaut wurde, dokumentiert einen Gebäudetypus, der heute in der Hansestadt nur selten anzutreffen ist. Daher wurde es im Jahre 1988 unter Denkmalschutz gestellt. Noch heute ist das Lagerhaus G von großer historischer Bedeutung und aktuell von ungemeinener Relevanz: Während des zweiten Weltkriegs diente der Speicher als eines der größten Außenlager des KZ Neuengamme. 1944/45 wurden tausende Jüdinnen und Juden aus Auschwitz und dem Ghetto Lodz dort unter grausamen Verhältnissen eingesperrt. Außerdem wurden die Gefangenen zur Zwangsarbeit im Hafen gezwungen.

Das Lagerhaus G war das erste Frauenaußenlager des KZ Neuengamme. 1.500 Frauen wurden von Juli bis September 1944 direkt aus Auschwitz und Lodz hierher deportiert. Im Anschluss wurden bis Oktober 1944 2.000 männliche Häftlinge in das KZ eingesperrt. Die Zwangsarbeit musste von allen Frauen und Männern unter anderem bei Hamburger Unternehmen, die noch heute erfolgreich sind, verrichtet werden. Am 25. Oktober 1944 wurde der Speicher bei einem alliierten Bombenangriff schwer beschädigt, bei dem ca. 150 Gefangene ums Leben kamen. Ab dem 15.02.1945 wurden erneut weitere 800 männlichen KZ-Häftlinge im Lagerhaus G eingesperrt. Das Lagerhaus diente nicht nur als KZ- Außenlager, sondern es wurde auch als Zwangsarbeitslager für italienische Kriegsgefangene benutzt. Das Lagerhaus G ist eines der letzten erhaltenen Bauwerke, die in Hamburg als KZ- Außenlager gedient haben. Noch heute lassen sich im Inneren Inschriften der damaligen Inhaftierten Menschen finden.

Auf die historische Bedeutung dieses Gebäudes verweisen heute vor Ort lediglich drei Gedenktafeln und ein Stolperstein. In der aktuellen Stadtentwicklung spielt der Kleine Grasbrook eine zentrale Rolle. Es soll ein neuer „hipper“ Stadtteil für Hamburg entstehen, der den Sprung über die Elbe realisiert. Außerdem ist es eines der größten städtebaulichen Projekte der nächsten Jahren. Nur was soll mit dem Lagerhaus G passieren? Wird es und seine Geschichte mitgedacht?

Viele Bewohner*innen der Veddel, der Umgebung und den anderen Ortsteilen von Hamburg kennen diesen Ort nicht. Sie wissen auch nicht um die schrecklichen Geschehnisse, die sich dort ereignet haben. Aus diesem Anlass wollen wir, die 13 Teilnehmenden des Projektseminars „Curating the Invisible: Lagerhaus G“, welches von der Historikerin und Kulturwissenschaftlerin Dr. Anke Rees im Wintersemester 2020/21 an der Universität Hamburg geleitet wurde, die öffentlich nicht sichtbaren Gegebenheiten des Lagerhauses sichtbar machen.

Wir haben uns über vier Monate mit unterschiedlichen, das Dessauer Ufer betreffenden Aspekten auseinandergesetzt. Wir haben Interviews geführt, in Archiven geforscht und viel über die Geschichte dieses Ortes gelesen und gelernt. Auf Grund unserer Auseinandersetzung mit dem Lagerhaus G sehen wir die dringende Notwendigkeit, dass diesem besonderen Ort auf dem Grasbrook mehr Aufmerksamkeit zukommt. Wir würden deshalb die Einrichtung eines Lern- und Gedenkortes begrüßen. Bis dahin machen wir die Ergebnisse unserer Arbeit mit dieser Online-Ausstellung öffentlich zugänglich.

Sieh’ dich selbst um und mach’ Dir Dein Bild vom Lagerhaus G!